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Übung "Tagesfreuden"

Vier Fragen zur eigenen Lebendigkeit

Diese Übung könnte zum täglichen Morgenritual werden: zu jener Tätigkeit, die wir jeden Tag als erstes tun. Wer schon eine hilfreiche Routine zum Aufwachen hat, notiert die sogenannten Tagesfreuden am besten danach. Dazu kann ein Notizbuch dienen, der Kalender, das Smartphone oder eine sprachgesteuerte Notierfunktion.

Am Abend werden wir oft vom Partner gefragt: Wie war dein Tag? Oder: Was hast du heute gemacht? – Stelle dir vor, du begegnest dir selber, genau gesagt: deinem abendlichen Selbst. Dein Selbst, das den Tag schon hinter sich hat, stellt sich am Morgen nun vier Fragen: 1) Was habe ich heute getan, um mir Freunde zu bereiten? 2) Wann und wo habe ich mich heute gefreut? 3) Wie konnte ich meine Freude heute umsetzen? 4) Wofür war meine heutige Freude noch dienlich?

"Tagesfreuden" sind geplante Aktionen, die im Hier und Jetzt des Alltags realisiert werden. Sie nähren unsere gegenwärtige Lebensfreude und machen für uns mindestens eine der folgenden Gefühlsqualitäten erlebbar: Freiheit, Interesse, Liebe, Lust, Genuss, Stolz, Würde und Glück.

Wir erstellen keine "To do"-Lis­te, die in einer Leistungsgesellschaft durchaus ihren Zweck erfüllen mag. Es geht darum, ein eigenes "To be"-Verzeichnis zu schaffen. So wird nicht einfach aufgeschrieben, was alles "zu tun" oder zu erledigen wäre. Wir vermerken tägliche Absichten, die auf unser freudvolles Sein und Werden einwirken. Wir realisieren damit Gelegenheiten zur täglichen Erfahrung von Lebendigkeit, indem wir unserer Lebensfreunde ein konkretes Was, Wann und Wo, Wie sowie Wofür geben.

Ein Beispiel: Yoga gemacht, Losungen gelesen, Kaffeepause mit Peter in der Arbeit, Mittagspause mit Barbara und Tom, Kekse für Arbeitsbesprechung mitgenommen, Spaziergang, Abendessen und dabei eine Folge "Games of Thrones" geschaut