Depressionen und Burnout „ver-gehen“: Wie Bewegung und Psychotherapie unterstützen können
von Robert Riedl. Psychotherapeut
Manchmal kommt man im Sitzen nicht weiter. Gedanken kreisen, der Körper ist angespannt, innerlich ist alles eng – und genau dann kann Bewegung helfen. Psychotherapie im Gehen verbindet das therapeutische Gespräch mit der stabilisierenden Wirkung von Bewegung im Freien.
Beim Gehen verändert sich oft auch das Denken. Der Körper kommt in Bewegung, der Blick wird weiter, Anspannung kann sich lösen. Viele Menschen erleben es als entlastend, nicht starr gegenüberzusitzen, sondern Schritt für Schritt über Belastungen, Gefühle und mögliche nächste Schritte zu sprechen.
Psychotherapie im Gehen kann besonders hilfreich sein bei Stress, Erschöpfung, depressiven Verstimmungen, innerer Unruhe, Grübeln, Angst oder Lebenskrisen.
Was bedeutet Therapie im Gehen?
Therapie im Gehen ist ein psychotherapeutisches Gespräch, das nicht im Therapieraum, sondern draußen im Gehen stattfindet. Inhaltlich bleibt es Psychotherapie: Es geht um Belastungen, Beziehungsmuster, innere Konflikte, Gefühle, Entscheidungen und persönliche Entwicklung.
Der Unterschied liegt im Rahmen. Bewegung, frische Luft und eine natürliche Umgebung können dabei unterstützen, innerlich etwas mehr Abstand zu gewinnen. Manche Themen lassen sich im Gehen leichter ansprechen, weil der Körper nicht in derselben Anspannung verharrt wie im Sitzen.
Therapie im Gehen ist keine sportliche Leistung. Es geht nicht um Tempo, Fitness oder Anstrengung. Das Gehen soll unterstützen, nicht zusätzlich belasten.
Warum Gehen psychisch entlasten kann
Bewegung wirkt nicht nur auf den Körper, sondern auch auf das Nervensystem. Regelmäßiges Gehen kann helfen, Stresshormone abzubauen, innere Unruhe zu reduzieren und die Stimmung zu stabilisieren. Viele Menschen merken bereits nach kurzer Zeit, dass sie klarer denken und ruhiger atmen.
Auch psychotherapeutisch kann Gehen hilfreich sein: Wer sich bewegt, erlebt häufig mehr inneren Spielraum. Gedanken kommen in Fluss. Entscheidungen wirken weniger festgefahren. Belastende Gefühle können sich leichter ordnen, weil der Körper nicht nur über Probleme spricht, sondern gleichzeitig etwas Regulierung erfährt.
Gerade bei Menschen, die viel funktionieren, viel denken oder stark unter Druck stehen, kann dieser körperliche Zugang hilfreich sein.
Für wen kann Psychotherapie im Gehen geeignet sein?
Psychotherapie im Gehen kann sinnvoll sein, wenn Sie merken, dass Ihnen Bewegung und ein äußerer Ortswechsel guttun. Sie kann besonders passend sein bei:
- Stress und chronischer Anspannung
- Erschöpfung und beginnendem Burnout
- depressiven Verstimmungen
- innerer Unruhe und Grübeln
- Angst und Unsicherheit
- Lebenskrisen und belastenden Entscheidungen
- dem Wunsch nach mehr Klarheit und Orientierung
Manche Menschen erleben das Gehen als weniger konfrontativ als ein Gespräch im Therapieraum. Andere schätzen, dass der Körper beteiligt ist und nicht nur der Kopf arbeitet.
Wann ist Therapie im Gehen eher nicht passend?
Therapie im Gehen ist nicht für jede Situation geeignet. Wenn sehr schwere Krisen, starke Instabilität, akute Überforderung oder medizinische Einschränkungen bestehen, kann ein geschützter Praxisraum sinnvoller sein.
Auch sehr intime, schambesetzte oder besonders belastende Themen brauchen manchmal einen ruhigeren, abgeschirmten Rahmen. In solchen Fällen kann das Gespräch in der Praxis mehr Sicherheit geben.
Ob Therapie im Gehen passend ist, wird daher individuell besprochen. Der Rahmen soll unterstützen – nicht ablenken, überfordern oder Unsicherheit erzeugen.
Wie läuft eine Therapie im Gehen ab?
Das Erstgespräch findet in der Praxis statt. Dort können Anliegen, Rahmenbedingungen, Erwartungen und mögliche Ziele in Ruhe geklärt werden. Erst danach kann entschieden werden, ob Therapie im Gehen für weitere Einzeltermine passend ist.
Bei einer Therapieeinheit im Gehen wird vorab ein geeigneter Treffpunkt vereinbart. Das Gespräch findet während eines ruhigen Spaziergangs statt. Tempo, Strecke und Pausen werden so gewählt, dass ein konzentriertes therapeutisches Gespräch möglich bleibt.
Die therapeutische Schweigepflicht gilt selbstverständlich auch bei Therapie im Gehen. Gleichzeitig wird besprochen, wie mit zufälligen Begegnungen im öffentlichen Raum umgegangen wird.
Therapie im Gehen ersetzt keine „normale“ Psychotherapie
Psychotherapie im Gehen ist keine andere Therapieform, sondern ein anderer Rahmen für psychotherapeutische Einzelgespräche. Sie kann eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn Bewegung, Natur und Gespräch gut zusammenpassen.
Manchmal ist der Praxisraum besser. Manchmal ist das Gehen hilfreicher. Entscheidend ist nicht die Methode um jeden Preis, sondern was im jeweiligen Moment therapeutisch sinnvoll und stabilisierend wirkt.
Wichtig zur Terminvereinbarung
Psychotherapie im Gehen ist nur für Einzeltherapie und Folgegespräche möglich. Das Erstgespräch findet in der Praxis statt.
Therapie im Gehen wird saisonal angeboten, in der Regel von 1. April bis 30. September.
Wann ist ein Erstgespräch sinnvoll?
Ein Erstgespräch ist sinnvoll, wenn Sie merken, dass Stress, Erschöpfung, Grübeln, Angst, depressive Verstimmungen oder innere Anspannung zunehmen und Sie damit nicht allein bleiben möchten.
Im Erstgespräch können wir klären, was Sie belastet, welche Form der psychotherapeutischen Begleitung passend sein könnte und ob Therapie im Gehen für spätere Folgegespräche eine geeignete Möglichkeit ist.
Kontakt & Erstgespräch
Telefon/SMS/Signal: 0676 730 37 89
E-Mail:
Praxis: Ruckerlberggürtel 13 (2. Stock, Tür 6), 8010 Graz
DIE HÄUFIGSTEN FRAGEN VOR DEM ERSTGESPRÄCH
